…lernen es nicht.

Aber das Ziel des ganzen Unterrichts hier sowie in der Schule darf nicht in Examen und Zeugnissen bestehen, die von der Erde ausgetilgt werden müssen; sondern das Ziel wäre: daß die Schüler selbst aus erster Hand ihre Kenntnisse einholten, ihre Eindrücke erhielten, ihre Ansichten bildeten, sich zu ihren geistigen Genüssen durcharbeiteten, anstatt sie wie jetzt ohne alle Mühe durch den „interessanten“, oft schlaff angehörten und rasch vergessenen Vortrag der Lehrer über fünf Gegenstände an jedem Vormittag zu erlangen.

ein auszug aus dem text „die seelenmorde in den schulen“ von ellen key, veröffentlicht 1905 in dem buch „das jahrhundert des kindes“. jetzt, unmittelbar nach jenem jahrhundert, ist diese schulkritik immer noch aktuell, die realisierung einer fortschrittlichen pädagogik nirgends in sicht. zum optimisten macht mich das nicht unbedingt.

nachtrag:

key war eine maßgebende vertreterin der sog. „reformpädagogik“ anfang des 20. jhr., die u.a. von neoromantismus und völkischer jugendbewegung beeinflußt war. „fortschrittliche pädagogik“ ist selbstverständlich was anderes; mir erschien es nur bemerkenswert, daß die fundamentale schulkritik der „reformpädagogen“ im grunde immer noch gültig ist: selektion und leistungsdruck herrschen in den schulen, nie steht das kind im mittelpunkt, angstfreies lernen gibt es quasi nicht, stattdessen bewirkt die schule bei den meisten kindern eine abneigung gegen theorien aller art und verhindert selbständiges denken.