Möpke24.07.2005 21:16h

Möpke war nicht gut zu sprechen auf die Welt. Sein Mißfallen rührte daher, daß der Rührkuchen, den zu backen er nicht imstande gewesen war, mit voller Absicht und grundlos über ihn herzog: „Möpke!“, rief er, „ich bin zutiefst enttäuscht von dir. Wie konntest du erwarten, daß irgendjemand dir gefallen könnte auf dieser Welt. Sieh dich an, Lump! Hockst da und schimpfst auf die Welt, als wär sie ein Rührkuchen. Aber ich bin ein Rührkuchen! Sieh mich an, Arschloch!“ Da erschrak Möpke. Er blickte den Rührkuchen ruhig an, die Pfeife im Mundwinkel, die er für solche Gelegenheiten stets in der Westentasche spazierentrug. „Ach, Kuchen“, seufzte der junge Student, „wie gern verspeiste ich dich und machte deinem Elend ein Ende. Wie gern“, er schob die Pfeife in den anderen Mundwinkel, „genösse ich jetzt deine köstliche Innenwand, nur um mich zum noch köstlicheren Kern hindurch zu arbeiten.“ „Ja, Möpke, alter Spießkopp! Das hättest du wohl gern. Aber ich bin dir mißlungen! Miß-lun-gen!“, schnarrte der Rührkuchen und grinste Möpke hämisch an. Der ließ sich nicht beirren; mit einem riesigen Küchenmesser, das er für solche Gelegenheiten ebenfalls stets in der Westentasche spazierentrug, zerschnitt Möpke den verunglückten Haufen Rührkuchen. Still war er; still und lecker. Der Student faßte den Entschluß, sich ganz dem Rest des Kuchens zu widmen, indem er ihn, trotz allem, verspeiste. Er führte ein Stück zum Mund, doch kurz bevor er es seiner Bestimmung zuführen konnte, fiel ihm wieder ein, daß er ja nicht gut zu sprechen war auf die Welt. Stattdessen rammte er sich also das Küchenmesser in die Brust und fiel kopfüber aus dem Fenster. Der Kuchen blieb intakt.

Nicht kategorisiert20.07.2005 19:16h

When things go wrong and will not come right,
Though you do the best you can,
When life looks black as the hour of night -
A PINT OF PLAIN IS YOUR ONLY MAN.

When money’s tight and hard to get
And your horse has also ran,
When all you have is a heap of debt -
A PINT OF PLAIN IS YOUR ONLY MAN.

When health is bad and your heart feels strange,
And your face is pale and wan,
When doctors say you need a change,
A PINT OF PLAIN IS YOUR ONLY MAN.

When food is scarce and your larder bare
And no rashers grease your pan,
When hunger grows as your meals are rare -
A PINT OF PLAIN IS YOUR ONLY MAN.

In time of trouble and lousey strife,
You have still got a darlint plan
You still can turn to a brighter life -
A PINT OF PLAIN IS YOUR ONLY MAN.

(from the novel „At Swim-Two-Birds“ by Flann O‘Brien)

Betrachtungen20.07.2005 18:14h

…an einer universität erfreut sich ja leider größter beliebtheit. auch mich hat es an eine solche verschlagen, was gut ist für meine freizeit, und freizeit, entspannung, das soll ja der gesundheit gut tun. was ich aber da sehe und erlebe an eben jener universität, wenn ich einmal da bin, wirkt dem akut entgegen: beinahe sämtliche dozenten und die paar der wenigen dozentinnen sind bereits völlig vergreist, und das unabhängig von ihrem alter; was aus ihren mündern kommt, ist meist fachlich ein witz, didaktisch dazu völlig unsinnig dargeboten und im grunde völlig irrelevant, da es an einer universität nicht primär um wissenserwerb und wissenschaftlichen diskurs geht, sondern um den scheinerwerb; so kann sich der dozent/die dozentin der meisten aufmerksamkeit sicher sein, wenn er/sie unterschriften abzuleisten hat, was die frühe vergreisung leider nur allzu verständlich macht.

gerade heute habe ich wieder etwas herrliches erlebt. der seminarraum war wegen der bevorstehenden unterschriftensammlung zur letzten sitzung prall gefüllt, schätzungsweise 150 menschen auf engstem raum, dazwischen ein dozent, der mit sicherheit wenn nicht gerade eben, so doch in der nacht davor reichlich dem alkohol zugesprochen hatte. das kann ich selbstverständlich nur gutheißen, weshalb ich ihn auch gnadenlos dafür abfeierte, als er zunächst nicht wußte, in welchem seminar er sich befand. als er es dann herausbekam, eröffnete er der versammelten studierendenschaft, er habe heut schlicht keine lust, wolle höchstens noch ein paar sätze zum thema hausarbeiten loswerden, woraufhin er zu meinem allergrößten erstaunen den menschen vor ihm grundsätze der orthographie und zeichensetzung darlegte. völlig zu recht, wie ich anfügen möchte, denn die sind ja wirklich alle strohdumm; in seminaren wird meistens nur stumpf mitgeschrieben bzw. nach folien gefragt, und wenn doch mal jemand etwas zur diskussion beitragen möchte, wird deutlich, daß dieser jemand sich nach der gymnasialen oberstufe nicht etwa weiter-, sondern in erschreckendem ausmaße zurückentwickelt hat und zudem eine ungeheure penetranz an den tag legt, mit der er die tatsache vertuschen möchte, daß er wirklich völlig dämlich ist.

vor dem gebäude campieren sie, fordern „freie bildung für alle“. bildung? welche bildung?

Spartenliteratur19.07.2005 23:33h

Das Whiskeyglas in der Hand (Whiskey spielt eine große Rolle),
die Flaschen zur Seite geschoben,
und die Gerste, die in beiden Fällen zum Einsatz kommen sollte,
grob in der Hand zerdrückt.

Tätigkeiten,
die keine große Kraft erfordern,
unserem Mann aber Schwierigkeiten bereiten.

Mit der Sonne im Rücken
(und dem Schiefer auf dem Dach, das auch reetgedeckt sein könnte)
erklimmt der Mann ganze Höhen,
wenngleich es ihm in den Wolken dann doch zu dünn würde;
die Luft.

Deshalb fällt er wieder ziemlich tief.
Vielleicht verspürt er
diesmal keinen Schmerz.

Logbuch18.07.2005 21:38h

…bin übrigens the picture of dorian gray, falls es jemanden interessiert.

Spartenliteratur18.07.2005 21:08h

„Verliere nicht den Verstand“, sagte der kleine Engel, als mein Huf ihn traf. Ich hatte bis dato nicht gewußt, daß ich Hufe hatte, konnte mit der Neuigkeit aber ganz gut umgehen. Bisher war ich stets der Meinung gewesen, ein Mensch zu sein, der zwar eine leichte Wirbelsäulenanomalie besaß, jedoch ansonsten mit reichlich Menschenfuß, ganz ordinär mit Zehen und so, ausgestattet war. Da hatte ich mich wohl getäuscht.
„Hör auf zu grübeln!“, forderte mich der Engel auf, den ich ins nächste Gebüsch befördert hatte. Ich scharrte mit den Hufen. „Machen Sie sich nicht lächerlich!“
Der Engel rekapitulierte die Situation in seinem Gehirn und schnäuzte sich die Nase, wobei er höchst unengelhaft sein weißes Gewand benutzte. Unnötig ist es zu erwähnen, daß das Gewand eines Engels immer weiß ist. Menschen, die Filme machen, in denen Engel aussehen wie Hinz und Kunz, gehören gesteinigt. „Ich weiß ja nicht“, meinte das Arschloch, „was du hier willst, aber ich bin ein Engel, also duz mich gefälligst. Ich geh dir nicht mal bis zum Knie!“
„Ich respektiere alles und jeden, mein Freund. Auch und erst recht Engel, die mir nur bis zum Knie reichen. Was soll der Quatsch? Ich verliere doch gar nicht den Verstand. Ich habe zwar lange gebraucht, um zu bemerken, daß ich keine Füße, sondern Hufe besitze, aber das werden Sie mir doch wohl nicht zum Vorwurf machen, Sie Langeweiler. Und jetzt lassen Sie mich bitte weiter lethargisch und weltverloren in der Ecke hocken, um Adjektive zu schmieden.“
Der Engel begann nun, so schien es mir, zu schmollen. Ich hatte ihn mit meinem gezielten Huftritt mitten ins Unterholz befördert, wo er sich immer noch die Nase rieb. Er sah putzig aus.
Ich verließ ihn. Das war mir dann doch zu blöd. Schnell stolzierte ich zu einem kleinen Schemel, auf dem ich mich niederließ. Unweit des Schemels befand sich ein schwarzer Ofen, so ein kleiner aus dem Märchenbuch, mit einem niedlichen Rohr, das zur Decke reicht. Hier gab es keine Decke, doch das war dem Rohr selbstverständlich egal. Jedenfalls kochte ich Kaffee. Ich blickte mich um, freundlich. Leider erblickte ich neben dem Ofen nur noch Wolken; Wolken wie aus Bierschaum. Dann wird wohl morgen das Wetter schön, dachte ich, wußte aber nicht, wieso ich das dachte. Das ist ja häufig so, schoß es mir durch den Kopf, und schon im selben Moment schoß mir auch etwas anderes durch den Kopf: eine Kugel. Endlich hat sich dieser dumme Ausdruck mal gelohnt, dachte ich noch, ehe ich, durch den Aufprall der Kugel leicht erregt, vom Schemel kippte.
Ich strampelte mit den Hufen. Na, witzig ist das nicht gerade, überlegte ich, ehe ich verdutzt bemerkte, daß ich lebte. Man muß dazu wissen, daß es durchaus eine Kugel der Art war, wie man sie zuhauf in schlechten und auch guten Wildwest-Filmen findet; dennoch war ich quicklebendig. Ich kam zu der Einsicht, daß ich kein Mensch sein konnte.
Was aber war ich dann? Auch ein Engel? Ein Pferd? Kein Pferd setzt sich auf Schemel und kocht Kaffee. Andererseits: vielleicht war ich das erste Pferd, das derartiges tat? Bei Menschen gab es solches Verhalten oft. Daß ich im Himmel war, in einem Puderzuckerhimmel aus Kindermärchen, war mir ja schon aufgefallen. Es gibt ja auch schlimmeres. Jeden Morgen wachen Menschen auf und denken sich: ach, wie schön wär´s doch im Himmel! Und dann haben sie Angst vor Krebs. Diese Menschen gehen auch in große dunkle Hallen, stellen sich auf und sagen, daß sie sich freuen würden. Sie freuen sich nicht tatsächlich, aber das stört sie nicht. Das geht noch hinterher. Hinterher war ich doch kein Pferd!
Nein, ich konnte kein Pferd sein. Pferde wiehern. Ich versuchte es, aber heraus kam nur so eine Art Wimmern; etwas, das ich früher schon zur Genüge geübt hatte. Vorhin hatte ich auch gesprochen, mit diesem vorlauten Engel, der mich geduzt hatte, und der mir geraten hatte, nicht den Verstand zu verlieren. Ein freundlicher, kleiner Bursche. Ich hätte nicht so grob sein sollen mit ihm, dachte ich, aber das war mir dann auch egal, als ich plötzlich feststellte, kein Gehirn mehr zu haben.
Die Kugel nämlich hatte das angerichtet. Neben mir, auf dem Boden, war so eine kleine Zuckerwattewolke, auf der mein Gehirn jetzt klebte. Ins Detail gehen muß ich nicht, es sah aber scheußlich aus. Jeden Morgen wacht der Mensch auf und freut sich, daß er noch ein Hirn hat. Das ist klar; aber ich war ja kein Mensch.
Na ja, dachte ich, dann ist ja gut jetzt. Sollen die Menschen den Dreck doch wegmachen; das dachte ich vergnügt, als ich Hut und Stock nahm, den Kaffee da ließ, die Kippen verklappte und auf Zuckerwatte pißte. Die Menschen, die möchten das, die sollen das, die müssen das sauber haben; ich hatte das nicht nötig. Vor meinen Augen wurde es Nacht; ein Stern schimmerte.

Möpke15.07.2005 12:42h

Eines Tages fuhr Möpke mit der Straßenbahn durch sein wolkenverhangenes Wohnviertel. Überall starrten ihn Genossen an, die nicht die seinen waren. Er rannte um sein Leben, kam aber nicht weit, weil eine Straßenbahn nicht lang ist. Unter den entsetzten Augen einer jungen Mutter blieb Möpke liegen, und der Schaffner fragte: „Wo soll´s denn hingehen?“ Da wußte Möpke um seine Aufgabe; wie ein Derwisch fragte er sich, was ein Derwisch wohl sein möge, und damit nicht genug, erwischte den jungen Mann ein derart starkes Verlangen nach Zartbitterschokolade, daß ihm übel wurde. Von Fieberkrämpfen geplagt vergaß Möpke seine Aufgabe wieder, und der Zugführer hob die rechte Hand, um die Bahn zu starten, die an einer Ampel gehalten hatte. Mitleid überkam die junge Mutter, und Möpke lächelte: ja, sie würde ihn adoptieren, das taten sie doch, sie, mit ihren großen Augen aus Wasser, die nichts besseres zu tun hatten als den ganzen Tag hilflose kleine Kinder zu betrauern und zu adoptieren, sie, diese junge Mutter, deren Kind übrigens nicht anwesend war, würde es ihnen gleich tun, denn sie war ein Teil von ihnen. Das wußte Möpke, und auch dies: daß die Tür sich öffnen würde in wenigen Momenten, einen Schwall von Menschen hereinlassend, so daß der junge Mann, ein Student, sich ihnen würde entziehen müssen. Möpke dachte kurz nach über diese Verlockung, besprang dann die junge Mutter und sagte: „Adoptieren Sie mich! Adoptieren Sie mich!“ Da strahlte sie, und da strahlte auch der ihnen gegenüber sitzende Standesbeamte, und dann strahlte auch Möpke, und alle strahlten sie um die Wette, bis der Schwall Menschen kam, sich auf sie setzte, und sie alle strahlend starben.

Logbuch12.07.2005 15:13h

…eines mittelklassestudenten sind kein spaß. sie beginnen an mitternacht. zunächst kann ich nicht einschlafen, weil die tastatur meines zimmernachbarn aufgrund eines wackelkontakts alle fünfzehn minuten laut tutet und es zu warm ist in meinem zimmer. dann habe ich alpträume. morgens ist aus meinem nacken ein schmerzendes etwas geworden, ich versuche es zu kurieren und mache alles nur noch schlimmer.

ich stehe trotzdem verhältnismäßig gut auf, schleppe mich zur universität. dort, wie immer, oberflächliche konversation mit mitleidenden; weltekel. aus der oberflächlichen konversation entstehen, ebenfalls wie immer, erinnerungen daran, daß so einiges noch bald abzuliefern wäre, für klausuren gelernt werden, sprich: alles andere getan werden müßte, nur nicht das, was man will, nämlich faul am kanal rumhängen, whiskey trinken und irische volkslieder grölen.

dem dozenten fällt fällt zwei wochen vor semesterende ein, daß alle anwesenden zwei protokolle abliefern müssen, wegen der aktiven teilnahme. weitere ernüchterung. nach der sitzung: schnell zum sekretariat, einen schein abholen (etwa 50 % der studentenzeit geht dabei drauf, hinter scheinen hinterherzulaufen). das sekretariat befindet sich, wie ich nach zehn minuten suche und fünfmaligem im kreis um eine gruppe menschen herum laufen entkräftet feststelle, im hintersten winkel des flurs. es hat zu. bahn verpaßt, zwanzig minuten warten. nach der bahn schnell aufs fahrrad; alle ampeln sind rot. aldi hat keine gnocchi mehr. zu hause stelle ich fest, daß mir die ohnehin nichts genützt hätten, da alle töpfe dreckig sind. aus einem kratze ich stinkende, alte nudeln raus, die bereits einem fortschreitenden gärungsprozeß erlegen sind. natürlich fallen sie alle neben die mülltüte, in die sie gehören. also schmiere ich mir ein brötchen; beim öffnen einer dose vegetarische pastete schlitze ich mir den rechten zeigefinger auf. brötchen schmieren wird schwierig.

irgendjemand will, daß ich trinke.

Nicht kategorisiert11.07.2005 17:03h

…go to work today.

Betrachtungen11.07.2005 13:16h

…sitzt im überfüllten zug, er ist betrunken, sehr. ein anderer mann, wesentlich jünger, will sich auf den freien platz an der anderen seite des ganges setzen. dies behagt mann nr. 1 nicht; er faßt dem jungen mann an dessen hintern und lallt, hier könne er nicht sitzen, der platz sei besetzt. der junge mann, nicht dumm, kontert: „ey, biste vom andern ufer, oder was?“ mann nr. 1 ist entsetzt, sofort bemüht er sich zu versichern, ihm gegenüber sitze seine frau.

die frau sitzt da tatsächlich. sie ist stark geschminkt, ihre haare sind gefärbt, ihre lippen sind zur karikatur eines lächelns verzogen.

die hölle ist ganz normal, und sie ist immer da.