Über die Mülldeponie nebenan war Möpke an sich niemals hinausgekommen. Dort hausten Ratten und Spritzen; beides mochte er. Nie hätte er einer Ratte oder einer Spritze Leid zufügen können, und auf den alten Henk, der ihn auf seinen Reisen gern begleitete, ließ er nichts kommen. „Henk“, hatte Möpke einmal gesagt, „auf dich lass ich nichts kommen.“ Damit war die Sache gegessen. Zu essen gab es wenig auf der Deponie; skrupellose Erfinder gewisser Trivialmythen nahmen zwar an, weggeworfenes Essen würde nicht zu Müll, sondern bliebe immer Essen, dies hingegen war Quatsch – Müll war Müll, sobald er auf der Mülldeponie landete; das lag in der Natur der Sache. An diesem Tag nun traf Möpke auf einen weggeworfenen Kühlschrank, den wohl irgendein Landstreicher dort hinterlassen haben mußte, gerade in der hintersten Ecke der Deponie. Auch Henk, sein Gefährte, hatte den Schrank entdeckt, und so standen nun beide vor dem gewaltigen Ungetüm und betrachteten seine weiße Flanke. „Henk“, sagte Möpke, „meinst du, hierrin befindet sich etwas Eßbares?“ Henk zuckte mit den Schultern; er sprach nicht viel. Stattdessen hieb er mit seinem Spaten ein Loch in Möpkes Kopf, öffnete den Kühlschrank und erblickte die vielfältigen Leckereien des Landstreichers: Blutwürste, die troffen, Salatköpfe in sattem Grün, gemeine Kalbsleber, Preiselbeeren in Himbeersauce auf dunkelbraunem Eiskonfekt. Au ja, dachte sich Henk, das hat sich mal gelohnt, und er nahm den Kühlschrank auf den Rücken, um ihn ächzend und wankend davonzuschleppen. Möpke indes, der auf dem Bauch da im Dreck lag, war noch nicht tot, und so streckte er verzweifelt einen Arm aus, um den Rabauken aufzuhalten. Leider lag da eine Spritze mit einer tödlichen Flüssigkeit, und er stach sich daran, so daß er augenblicklich das Bewußtsein verlor. Das letzte, was er hörte, waren die schmatzenden Geräusche und das schallende Gelächter seines alten Freundes Henk.