Möpke streunte durch die Straßen seiner Stadt. Es war heiß, so heiß, daß der Asphalt unter seinen Füßen zu schmilzen begann. Möpke trug ein Lasso in der Hand, denn er war ein Westernheld; andere Assecoires seiner neu entdeckten Leidenschaft waren Lederhose, Weste und Cowboyhut. Der junge Mann war glücklich. Da hörte er neben sich ein Geräusch – aus dem Saloon. Sofort war er auf der Hut, duckte sich hinter einem Stromkasten und beobachtete den Eingang. Lange Zeit tat sich nichts, doch dann torkelten zwei gutaussehende junge Männer heraus, offenbar Kameraden, beide auffällig unauffällig gekleidet, mit Jeans und T-Shirt. Das konnte Möpke nicht durchgehen lassen, und so trat er hervor, in der Rechten den silbernen Revolver, in der Linken das Lasso. „He da!“ rief er, „euch Jungspunde kenn ich doch, habt ihr mir nicht gestern noch über die Straße geholfen? Wieso seid ihr so flegelhaft gekleidet?“ Die beiden Männer sagten nichts, zu sehr erstaunte sie der Anblick des Lasso schwingenden Möpke. Dann änderte sich der Fokus ihrer Aufmerksamkeit, und die Knarre, die der Verrückte in der Hand trug, wurde wichtig. Sie nahmen die Beine in die Hand, was Möpke zu nicht enden wollenden Lachstürmen hinriß, denn zwei Männer mit Beinen in der Hand, das hatte er noch nie gesehen. Kurzentschlossen bat er die beiden um ein Foto, schnell holte er das Mobiltelefon hervor, das auch Fotografien machen konnte, und stellte es auf den Stromkasten. Der Cowboy grinste und legte beide Arme um die verdutzten Kameraden, ein vorbeifliegender Vogel sagte „Cheese!“, und es machte klick. Doch was nicht mehr auf dem Foto war, waren Möpke und die Kameraden, die bereits versunken waren im Asphalt, denn es war heiß im Wilden Westen, und der Wilde Westen vergibt nicht, wenn man keine Schuhe trägt.