Logbuch28.10.2005 15:00h

…scheint es wirklich Winter zu werden“, schreibt Lattekohlertor gestern in seinem Blog. Also, na ja, so ekelhaft sommerlich wie heute war es schon eine ganze Weile nicht mehr; dabei war ich gestern schon drauf und dran, meine erste Herbstdepression zu bekommen. Macht ja auch nichts, die kommt halt, trinkt alle meine Vorräte leer, geht dann wieder und hinterläßt hoffentlich nicht allzuviel Unrat; kennt man ja.

Ich geh wieder ins Bett.

Nicht kategorisiert27.10.2005 22:06h

Ist denn wirklich alles sinnlos, oder sind das nur die Rezeptoren?

Spartenliteratur, Empfehlungen22.10.2005 20:01h
antimatter - planetary confinement

komm benutz die kapuze
verlasse den hafen
einmal nach der sonne schielen
macht alles kaputt

ein haufen toter blätter
schweres licht der sonne
verkneif dir das rauchen
zünde sie an

und hör auf die vögel
die nach süden ziehen

Möpke20.10.2005 13:51h

Möpke fühlte sich nicht wohl. Seine Suche nach etwas eßbarem war zu keinem Ergebnis gekommen, zu trinken hatte er nichts. Seit Tagen streifte er durch dieses Land, das recht karg war, und alles, was er bis jetzt gesehen hatte, waren große grüne Bäume mit dicken gelben Zitronen daran. Möpke haßte Zitronen. Er fragte Henk, was dieser davon hielt, doch Henk konnte nicht antworten, da sein Mund voller Zitronen war und er darauf herum kaute: Henk mochte Zitronen. Das machte Möpke wütend. Dummerweise war er zu müde, seinen Begleiter zu erschlagen, und auch zu hungrig, wie wir bereits wissen. Also tat er das einzig richtige: er setzte sich hin und dachte nach. „Hör sofort auf damit!“ rief ihn da eine Stimme zur Räson. Nicht Henk gehörte sie, der sich unablässig Zitronen in sein Maul stopfte, sondern es war die Stimme einer kleinen Schnecke, die zu seinen Füßen hockte und ihn vorwurfsvoll ansah. Möpke nahm sie und aß sie. Dann dachte er weiter nach. Wenn diese Schnecke mir jetzt genug Kraft gegeben hat, um die Stadt da vorne zu erreichen, in der es sicherlich Gemüseläden, Fleischereien und Restaurants gibt, dann habe ich eine Chance. „Henk“, sagte Möpke, „siehst du auch diese Stadt da vorn? Sieht sie nicht schön aus?“ Henk kniff die Augen zusammen, hielt sich seinen Spaten vors Gesicht und erwiderte, alles was er sehe sei grau. „Das ist nicht schlimm, Henk“, meinte Möpke, „gleich sind wir da, dann finden wir einen Ort für dich, wo es nicht immer grau ist. Eventuell fliegen dir dann gebratene Spatzen in den Mund, was auch immer du tust.“ Möpke schickte sich an sich zu erheben, doch irgend etwas hinderte ihn. Mit der Hand fühlte er nach und stellte fest, auf einem richtig ekeligen Schleimklumpen zu sitzen. Von links kam eine Armee von Schnecken auf ihn zugerast, und ehe er sich versah, fraßen sie ihn auf.

Betrachtungen18.10.2005 19:20h

Da man immer wieder auf das Schlimmste gefaßt sein muß, wenn man den Fernseher anschaltet, überrascht es nicht, daß man schon innehält, wenn man mal keine Dampfplauderer, Dummwortakrobaten, Schülermusikgruppen oder Klingeltonwerbung vernimmt, sondern Annett Louisan. Selbstverständlich wird man sofort enttäuscht: Annett Louisan ist eine blonde, stark geschminkte Frau, die einen auf intelligente Unterhaltung macht, das allerdings völlig vergeblich, was für Deutsche nun offensichtlich schon reicht, um sie unter ferner liefen gerade noch so durchzufüttern. Sie bekommt zwar Aufmerksamkeit und vermutlich auch genug Kohle, aber das ganz große Geld machen infantil-debile Spielgruppen wie Juli, Silbermond oder, wenn Nagel weiblich wäre und die Songs auf dem neuen Album alle so klebrig wie „Alles was ich brauch“, evtl. auch Muff Potter; Louisan hat sich ihre Nische an der popkulturellen Heimatfront gesucht, eine Nische, die nach billigem Parfum und Lippenstift, überhaupt: nach Edelbordellen riecht.

Das macht keinen Spaß. Trällerte die Dame auf ihrem letzten Album noch „Ich will doch nur spielen“, was allüberall als unglaublich verrucht, gewagt, erotisch und so weiter gefeiert wurde, wo es eigentlich nur anzüglich und dumm ist, so heißt es nun in „Das große Erwachen“:

Hab nicht viel gesagt, damit man dich hört
Hab nicht laut gelacht, nur falls es dich stört
Du hast viel erzählt, ich tat interessiert
Dabei hab ich kaum was davon kapiert

Ich hab dich verführt, so als hätt ich Lust
Dabei ganz bewusst, nicht zu selbstbewusst
Ich hab mich verrenkt unter deinem Zelt
Und hab so getan, als ob es mir gefällt

Das glaubt man ihr aufs Wort. Frau Louisan singt sich um Kopf und Kragen, um jedes noch so dämliche Klischee vom blonden Dummchen zu erfüllen, und hat mit dem ganzen brünetten Getue dabei nur ein Ziel:

Und jetzt möchte ich dass du mich liebst
Ganz genau so wie ich wirklich bin
Und mir all meine albernen Macken vergibst
Meine Fehler
Jetzt verdammt
Nimm sie hin

„Warum?“, möchte man ihr entgegnen, warum und vor allem wie soll man jemanden lieben, der sich verstellt, der die „Waffen der Frau“ auspackt, jene sexistische Erfindung irgendwelcher Magazine, die so heißen wie man seine Tochter niemals nennen möchte? Man schweigt jedoch, aus Höflichkeit, und hört weiter zu:

Ich hab mich gefärbt, ich hab mich gebräunt
Ich hab doof geguckt, immer schön verträumt
Als einzige Lasche zwischen all den Schnallen
Hab ich mich verstellt, um dir zu gefallen

Nicht nur doof geguckt, Schnalle, möchte man nun aber wirklich loskotzen. Was soll das? Hier ist keine Ironie drin, höchstens ein billiges Augenzwinkern, vor allem aber: die immer wieder gleich blöde Reproduktion des herrschenden Sexismus‘. Wie soll man auf die Straße gehen und Menschen zufällig weiblichen Geschlechts selbstbewußt gegenübertreten, wenn man weiß, daß sie vielleicht gerade Annette Louisan gehört haben? Und die vielleicht für witzig, charmant, intelligent halten? Und einem das dann sagen? Die verstellen sich bestimmt, denn sie sind jung, selbstbewußt und emanzipiert! Und wollen geliebt werden, von Männern, echten Kerlen, die ihnen dann gestatten, daß sie sich ihnen anbiedern.

Von einem solchen stammt übrigens der Text: Frank Ramond heißt er, und Frau Louisan ist nur die Hülle, die seinen Schund ausfüllt. Da paßt es ins Bild, daß auch das Lied an sich, rein musikalisch, völlig mies und beliebig ist; so mies und beliebig, daß es von jedem noch so kostenlosen sog. Musikmagazin als unglaublich anspruchsvoll gefeiert wird, obwohl es nur eins ist: das traurige Symptom eines gemeinen dummen Mißverständnisses: daß „Frauen“ sich wie Frauen und „Männer“ sich wie Männer verhalten müßten.

Logbuch17.10.2005 18:49h

…das gleiche: Kaum beginnt das neue Semester, möchte ich am liebsten alles mit Sprengstoff vollstopfen, mich hinter einem Baum verstecken und leise „Hi hi“ sagen. Und dann halt den Knopf drücken.

Empfehlungen13.10.2005 18:29h

ich schiess so gern auf weiße tauben
und weiß auch dass es keinem gefällt
ich mag auch keine parks in den städten
- keine hippies -

ich lieg herum in irgendeinem garten
eine leiche hängt an einem baum an einam tau
es gibt bestimmt 30 gute gründe – ich sag kein

es gab ne große menge, viele leute
waren froh daß wecker laut geklingelt hat
und von den flugschülern aus dem nahen osten
die da wirklich falsch gelandet sind

wart auf mich an der steilwand
wir gehn da nachts spaziern
dort genau wo die kante ist
und nichts, nichts wird uns passiern

ich schiess so gern auf weisse schafe
und weiß auch daß es keim gefällt
ich mag auch keine parks in denstädten
keine hausmeister

ich lieg herum vor irgendeiner haustür
eine leiche hängt im 2ten stock am stuck
es gibt bestimmt 40 gute gründe – ich sag kein

(more…)

Möpke12.10.2005 19:52h

Möpke schritt genügsam auf und ab. Hier in seinem Bunker, in dem keine Zeit verging, keine Rose mehr blühte und kein Leben ihn störte, war es warm und gemütlich. Aus den Wänden schauten gußeiserne Rohre auf ihn herab, unablässig tropfte Wasser heraus, und es roch recht dumpf, nach Schimmel, nach Moder. Auch an Möpke selbst war die Zeit nicht spurlos vorübergegangen, eine krebsrote Schicht bedeckte Teile seines Körpers, eine Schicht, von der er sich viel versprach, wenn sie mal ausgewachsen sein würde. Die Nächte waren lang hier unten, um genau zu sein, hatte der junge Student noch nicht ein einziges mal Licht gesehen, weshalb er die Rohre und das Wasser auch nur ertasten, erriechen und erschmecken konnte. Das war sein Vergnügen. Es machte ihn glücklich, es war wie Onanie, nur nicht ganz so dreckig, fand er. Er fand sowieso so einiges. Einmal war ein Eidechsenmann auf einem Rhinozeros an ihm vorbeigeritten; den hatte er dann getötet und die Überreste gegessen. Das war das schöne, wenn man alleine war, alleine in dem Bunker, dachte Möpke und setzte sich erstmal hin. Kein Licht, seit Monaten, das Tropfen des Wassers. Da hörte er ein Schaben, und bald darauf eine Stimme: „Heda, Möpke“, schnarrte die Schabe, „komm raus, die Luft ist rein. Veilchen duften im Frühlingswind, die Äcker sind sonnenüberflutet, ein Spatz pfeift. Viel besser als deine stinkenden Rohre! Komm raus, und sieh es dir an!“ Möpke tat wie ihm geheißen; warum auch nicht, dachte er, so viele Eidechsenmenschen gibt es hier sicherlich nicht mehr; eine Schabe macht noch keinen Sommer, klar, aber man weiß ja nie. Er kletterte aus dem Loch. Oben blendete die Sonne ihn, er fiel nach hinten und brach sich das Genick.

Nicht kategorisiert12.10.2005 19:21h

…gibt es das Existenzexperiment wieder!

Nicht kategorisiert11.10.2005 20:04h

irgendwann merkt man immer
wenn es das war
in der totenzeit vorm ende
wird ein haus gebaut
auf dem 12. stock eine dachterrasse
aus stahl
wir gedenken der leichen – die sich
das leben nahm

irgendwann merkt man immer
wenn es das war
in der totenzeit vorm ende
wird ein kind geboren
zerfressen – von der liebe

es ist die angst –
wahrscheinlich auch
bequemlichkeit…

…mach es nicht wahr

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