„Heute nacht war es wieder da, das Gespenst, die Angst, nicht in diese Welt zu gehören, ein Mensch zwar zu sein, aber einer, der nicht weiß, wie andere Menschen funktionieren. Was muß man tun, um in dieser Welt Erfolg zu haben? All das über Bord werfen, was einen ausmacht? Oder ist es nur ein wenig Selbstverstellung? Ein wenig nur. Die anderen müssen sich nicht selbst verstellen, die sind einfach so, daß es funktioniert – was immer „es“ auch ist. Ist Selbstmitleid steuerlich absetzbar? Wie kann man sich verstellen, gibt es da Knöpfe oder kleine Räder für, wie bei einer Uhr?

Sei einfach du selbst. Das stinkt doch.“

Sie schaut zufrieden auf ihre Notizen. Das klingt gut, denkt sie, da hab ich mir aber mal wieder was von der Seele geschrieben, denkt sie. Daß ihre Seele sich nur bestätigt fühlt, immer schwerer wird und schließlich zu sinken beginnt, daran denkt sie nicht. Sie schenkt sich noch einen Kaffee ein; der ist mittlerweile kalt. Ihr Knie zittern, vielleicht wäre Tee doch besser gewesen. Sie ruft ein paar Freunde an, schaut ihre Lieblingsserie, schneuzt sich die Nase und springt aus dem Fenster. Ein Glück, daß es nicht sehr hoch ist, denkt sie, als sie im Gras landet, das weich und grün ist. Sie putzt sich den Dreck von den Stiefeln, flüchtig, und stürmt hinein in die Nacht, mit einem Lächeln auf den Lippen.