Wenn der Mensch gescheit und langweilig ist, wird er sich nicht zum Leichtsinn herablassen. Wenn er leichtsinnig ist und gescheit – wird er es sich nicht erlauben, langweilig zu sein. Nur ich Trantüte habe es irgendwie geschafft, beides miteinander zu verbinden.
Und soll ich euch sagen, warum? Weil ich seelisch krank bin, das sieht man mir nur nicht an. Weil ich, seit ich mich erinnern kann, nichts anderes tue, als seelische Gesundheit zu simulieren, jeden Augenblick, und darauf verschwende ich meine ganzen Kräfte (restlos alle), die geistigen, die physischen und alle sonstigen. Daher kommt es, daß ich langweilig bin. Alles, worüber ihr redet, alles, was euch tagtäglich beschäftigt, ist mir unendlich fremd. Ja, und darüber, was mich beschäftigt, darüber werde ich nie und niemandem ein einziges Wort sagen. Vielleicht aus Angst, für verrückt erklärt zu werden, vielleicht aus sonst einem Grund, jedenfalls – kein Wort.

Wenedikt Jerofejew, „Die Reise nach Petuschki“, Piper 1978/10. Auflage 2005, S. 42