Oh, friend, let’s try to score
For peace and not for war,
For love and not for hate
Before it gets too late.

singt Kinky Friedman, der Gouverneur von Texas werden will anstelle des Gouverneurs, in seinem Lied „High On Jesus“, und diese Zeilen höre ich gerade in dem Moment, an dem mal wieder alles zuviel wird und das hochkommende Gefühl mit „Menschenhass“ ganz gut beschrieben werden könnte, wäre ich ein reaktionäres Arschloch. Zum Glück bin ich das nicht, also kann man weiterlesen:

„Lest bloß diesen Text nicht! Der ist für die Klausur nicht wichtig!“ las ich sie schreien, die Musterstudentin, und ja, ich kann ihr das nicht einmal zum Vorwurf machen; warum soll man auch Dinge studieren, die man für die Klausur nicht braucht? Es ist nutz- bzw. wertlos, man kann es nicht zu Erfolg bzw. zu Geld machen, und damit wäre der Sinn eines Studiums im Kapitalismus hinreichend beschrieben. Dennoch: diese Beschränktheit, dieses dumme, unmotivierte, geradezu tote Kapitulieren vor der Realität ist mir komplett zuwider. Manche Menschen in meinem Studiengang hängen der oben zitierten Hippie-Fantasie durchaus an; sie wissen aber nicht – oder wollen nicht wissen –, dass Liebe und Frieden recht wenig mit einem Engagement bei attac oder der lokalen Jusohochschulgruppe zu tun haben: Liebe und Frieden sind in ihrem Fall nur Ausreden für das immer weiter fortlaufende Kultivieren ihrer eigenen Beschränktheit, die irgendwo bei dem gleichzeitigen Konsum von Reggae und THC beginnt und, wenn alles seinen normalen Gang geht, bei einem debilen Hass auf die USA aufhört; irgendwo dazwischen werden meist Dreadlocks geflochten und als weiterer Lebensweg ein „sozialer“ Studiengang eingeschlagen. Genau deshalb gibt es Die Grünen: damit solche Existenzen eine Heimat finden in der Demokratie.

Nun weiß ich nicht, ob das Studentinnenzitat, das ich im Internet las, von so einem Menschen geschrieben wurde, das ist auch gar nicht wichtig; Kapitulieren muss man nicht. Das heißt, man muss schon, wenn man nicht zufällig das Geld hat, sich für den Rest seiner Tage in einer angenehm pompösen Villa einzuschließen, aber man muss es doch nicht so völlig schmerzlos tun. Man merkt doch, dass da was schief läuft, man kriegt doch irgendwann spitz, dass man nur erträgt, nicht aber goutiert, was da läuft. Und dann, was machen die dann, diese Menschen, die nichts anderes gelernt haben? Sie fangen an sich selbst zu hassen. Sie lesen Thomas Hobbes im Philosophieunterricht und halten sich plötzlich für Wölfe. Sie schauen sich die Welt an und erklären sich darüber ihr eigenes Selbst. Sie ignorieren jede vernünftige Erklärung für das Elend in der Welt und halten sich selber für unglaublich böse, für Dämonen, und George Bush ist für sie der Teufel. Sie haben keinen Funken ironischen Glanz in den Augen, nur Anzüglichkeit, wenn sie Dinge sagen, die sie nicht so meinen, sie sind alle direkt hineingerannt in das kalte Wasser der „Demokratie“ und der „Meinungsvielfalt“ und werden nicht müde zu betonen, wie „tolerant“ sie sind. Und dann verkaufen sie all diesen Blödsinn für teuer Kohle, indem sie sich und alle ihresgleichen als wahnsinnig intelligent vermarkten, obwohl daran nur eines stimmt: das wahnsinnig. Und dann soll man ruhig bleiben? Wählen gehen? Arbeiten? Für Deutschland? Deutschland sein?

tja, euer spiel ist mir zu blöde, ich hab da nichts zu geben, die beste rache ist: ein gutes leben!

(Anatol, „Beste Rache“, nie erschienen auf „Rette sich wer darf“)

Nun, irgendwie muss man über die Runden kommen, und das ist letztlich die Kapitulation, die von uns verlangt wird. Bleibt als einziger Ausweg also der Selbstmord? Aber nein. Auf keinen Fall. Nicht ich hasse mich selbst, das sind ja, wie gerade beschrieben, die anderen, die diesen Fetisch kultivieren; Suizid als pathetische Geste ist ja auch so unglaublich billig, so sinnlos, und zurück bleiben ja auch immer welche. Nein, der Ausweg heißt Humor, und damit verbunden: ein gutes Leben. Ein Leben, für das man sich nicht schämen muss, in dem Kompromisse nur gemacht werden, wenn sie wirklich nötig sind, das letzten Endes Spaß macht. Das ist ein ziemlich blöder Ausweg, aber der einzig machbare, solange die Verhältnisse sind wie sie sind. Und eigentlich ist es gar kein Ausweg, nur ein Schutz vor den Zumutungen, die das tägliche Leben im Hier und Jetzt für uns bereithält. Dabei helfen Sänger wie Kinky Friedman, und dabei hilft es auch, selber den Stift zu zücken und einfach mal loszulegen, um Liebe und Frieden vor denen zu verteidigen, die keine Ahnung davon haben. Oder, um mit Wiglaf Droste zu sprechen,

Dieses lehren uns die Schlichten:
Freundlich lächeln; weiterdichten.