das ist meine kleine nische / wenn´s bekannt wird, hau ich ab

Das haben Oma Hans jetzt getan. Heute ist das definitiv letzte Konzert, und alle, die nicht hingehen, sind doof. Was für Oma Hans und selbstverständlich auch die Vorgängerbands Angeschissen, Blumen am Arsch der Hölle und Dackelblut zählte, war Punkrock, sonst nichts, und gerade deshalb waren diese Bands dann doch irgendwie mehr als das, vor allem: unglaublich authentisch. Kein gekünsteltes Getue in den Texten oder auf der Bühne, keine Überheblichkeit, einfach nur ehrlicher Punk der besten Sorte. Das heißt in diesem Fall: der Sorte Wipers, und die Art, wie sie ihren großen Vorbildern Tribut zollen, passt da hervorragend zu: auf der letzten Single, korrekt mit „Abmeldung“ betitelt, befindet sich das Lied „Danke, Wipers!“. So macht man das, so verabschiedet man sich: Jens Rachut kommt auf die Bühne, schnappt sich das Mikrofon und sagt: „Wir sind Oma Hans aus Hamburg, das ist unser vorletztes Konzert, und wir bringen das ganze ehrenhaft über die Bühne.“ Mehr muss man nicht sagen, und das bleibt auch – neben dem freundlichen Rat an die Duisburger, bitte nicht abzusteigen, man habe doch so einen tollen Torwart und ein schönes Stadion – die einzige Ansage während des darauf folgenden Best-Of-Katalogs der Band. Selten wirkten graue Haare und Baseballcap auf mich würdevoller als in diesen Momenten. Immer wieder schleicht sich ein Lächeln auf Rachuts Gesicht, und man merkt: hier freut sich jemand wirklich über diese Verabschiedung; und natürlich auch darüber, nie wieder auf irgendwelche Setlists am Boden oder die Takte des Schlagzeugs achtgeben zu müssen.
Aber auch die anderen Bandmitglieder sollen nicht unerwähnt bleiben: Andreas Ness, mit dem immer gleichen lakonischen Blick, spielt die perfekten Schrammelriffs, während Bassistin Peta Devlin und Schlagzeuger Armin dafür sorgen, dass das ganze nicht doch noch auf der letzten Runde zusammenbricht. Bei „In der Ukraine“ kommt auch noch ein Gitarrist der im übrigen ebenfalls ausgezeichneten Supportband Billy No Mates („and now – the mighty Oma Hans“ in wunderbarem Cockney-Englisch) auf die Bühne und setzt dem Tophit schlechthin noch einen drauf; spätestens jetzt sind alle glücklich, ich bin es schon lange.

Oma Hans sind Oma Hans und werden´s immer bleiben. Bitte hören und verlieben!

Und wer aus Hamburg kommt: heute hingehen!Jemand, der vielleicht aus Hamburg kommt, ist hingegangen und hat einen ganz großartigen Bericht geschrieben!