Ein gewisser Holger Elias schreibt in dem früheren Zentralorgan der „Freien Deutschen Jugend“, junge Welt, folgendes:

Ein wenig Resignation schwingt schon mit, wenn man die Leute auf den Straßen Sachsen-Anhalts nach den Landtagswahlen am Sonntag fragt. »Hier ändert sich sowieso nichts«, hört man, meist garniert mit der typischen Handbewegung. »Egal, wer in Magdeburg sitzt, für uns kommt eh nichts dabei rum.«

Die Analyse stimmt: egal, wer an der Macht ist, gemacht wird, was dem Staat nützt, nicht den Menschen. Die haben zwar Bedürfnisse, doch Politiker sind Angestellte des Staates und haben diesem abstrakten Gebilde zu dienen, und zwar ausschließlich; um Bedürfnisse geht es immer nur an zweiter Stelle, wenn überhaupt.

So.

Anstatt aber nun mit Fackeln den Reichstag zu stürmen, wie es total kaputten Menschen eigentlich gebürte, wird auf gutes Opfer gemacht: es wird gejammert, es wird deutsch. Die „Bild“–“Zeitung“ wird gelesen, „DSDS“ wird geschaut, „Klinsi“ wird gerügt dafür, dass er in den USA wohnt, dort, wo´s angeblich mehr Sonne hat als hier – eine Frechheit! Aber die Naturkatastrophen, he he –, und wenn man mal das Wort erhebt und ein bisschen was von Kommunismus erzählt, werden die Ohren verschlossen und Kreuze gemacht. Das ist Deutschland, das ist deutsche Demokratie.

Dabei wäre doch alles so einfach: die erwähnten Fackeln vor dem Reichstag, die Bundeswehr im Innern, im Innern des Volkes, vor allem deren Kugeln, und es herrschte endlich Diktatur. Diktatur, das wäre herrlich. Das wär‘ nicht sowas raffiniert verlogenes wie der Beschiss, dem wir heute so ausgesetzt sind: diesem verschleierten Herrschaftssystem, das dieses hässliche Lächeln der Menschen, die sich wählen lassen wollen (die meisten aus Opportunismus, manche – dümmere – aus Idealismus), hervorbingt, dieses ästhetische Verbrechen, dem man ständig aus irgendwelchen völlig nichtigen Anlässen – Bundestags-, Landtags-, gar Europawahl – ausgesetzt ist, diese völlig dumme Beleidigung jedes An- und Verstandes. Auf die Dauer kostet das übrigens beides: Anstand, weil Anstand ein Lieblingswort bürgerlicher Idioten ist, Verstand, weil es Psychiatrien gibt. Wie kommt man da wieder raus?

Nur sehr schwer. Ein Arzt muss einen gesund schreiben. Also besser gar nicht erst krankschreiben lassen, sondern die Fackel rausholen und sie irgend einem derjenigen in die Hand drücken, die dieser Herr Elias da so gehört hat. Dann rauf auf den Balkon und den Kasten Bier nicht vergessen – es wird ein vergnüglicher Abend!