Die Titanic meldet, was ich schon immer wusste: Die Deutschen sind die Klügsten – die Klügsten im Bereich „industrieller Massenmord“ und „massenhaftes Selbstmitleid“? Nein. Der britische Psychologe Richard Lynn, von dem dieser hanebüchene Unsinn stammt, meint ganz profan: die Klügsten. Und hat da auch „eine ungewöhnliche Erklärung“ für, wie es im Spiegel heißt:

Die kalten Temperaturen haben nach Ansicht des Professors die hiesigen Gehirne voluminöser werden lassen.

Ah, ja. Doch nicht nur die Tatsache, dass es hier rattenkalt ist, sei für die deutsche Überintelligenzbestie verantwortlich, auch „fleischige Nahrung“ habe ihr Scherflein dazu beigetragen:

„Die frühen Menschen in nördlichen Gebieten mussten die kalten Winter überleben, in denen es keine pflanzliche Nahrung gab, und waren gezwungen, großes Wild zu jagen“, sagte Lynn der „Times“. Die Nahrung bilde den größten äußeren Einfluss auf den IQ, und die Menschen in Südosteuropa hätten durch die fleischärmere Ernährung weniger Proteine, Mineralien und Vitamine abbekommen. „Sie sind wichtig für die Entwicklung des Gehirns“, meint Lynn.

Hat schon einmal jemand den Intelligenzquotienten der Inuit gemessen? Die müßten vor lauter Robbenfleisch ja komplett genial geworden sein. Oder Welteroberer:

Auch die militärischen Siege der Briten gegen die Franzosen im Laufe der Jahrhunderte sieht Lynn unter anderem mit seinem Befund erklärt: Es sei ein Gesetz der Geschichte, dass das militärische Lager mit dem größeren IQ gewinne.

Moment, wie war das noch mit dem Zweiten Weltkrieg…? Ach so:

Diese Regel gelte allerdings nicht, wenn – wie bei den Deutschen im Zweiten Weltkrieg der Fall – die Armee zahlenmäßig stark unterlegen sei.

So ein Mist aber auch. Da waren die Deutschen schon die klügsten Meuchelmörder und wurden doch von ihnen zahlenmäßig überlegenen Idioten niedergemacht.

Diese Studie reiht sich ein in den völlig unsinnigen Umgang mit dem Thema „Intelligenz“ und „Gehirn“ in den populären Medien. Biologistischer Blödsinn wird als Wissenschaft verkauft, gesellschaftliche Bedingungen, ganze Bevölkerungsgruppen auf eine Zahl eingestampft, der Körper, die Ernährung oder was auch immer zum Maßstab der Geschichte gemacht. Dabei ist nüchtern betrachtet das Ergebnis des Ganzen folgendes: wer 1. überhaupt auf die Idee kommt, ein europäisches IQ-Ranking erstellen zu wollen, ein Ranking also, das schlicht und einfach überhaupt keine Aussagekraft hat, und dann aber 2. noch für jedes Land andere Studien als Datengrundlage heranzieht, der hat nicht mehr alle Tassen im Schrank, ist der Studie zufolge also Brite und sollte, zumal als emeritierter Professor, einfach mal die Klappe halten.

Nachtrag: Weiteres dazu bei ascetonym.