Betrachtungen25.04.2006 22:02h

Ich weiß nicht, wie man das Böse aus Potsdam vertreiben kann. Die einen meinen mit Flammenwerfern, die anderen mit guten Worten. Ich neige nicht zum Vergeben und Verzeihen, ich neige zum Flammenwerfer.

(Franz Josef Wagner in seiner „Post von Wagner“ vom 20.4. )

Ja, Franz-Josef, auf in die Schlacht! Ich sehe die Schlagzeilen schon vor mir:
„Suff, Paris-Bar, Udo Walz: Was trieb Wagner in den Wahnsinn?“
„Der Irre und sein Flammenwerfer: wie aus Gossen-Goethe Amok-Wagner wurde“
„Dresden 1945 – Potsdam 2006: Schicksalsstunden für Deutschland“

Ich bin Fan.

Nicht kategorisiert25.04.2006 00:37h

Katz & Goldt.
Spartenliteratur22.04.2006 22:04h

das glitzernde kind vor der starren fassade
die einen, die lachen, sind nichts und doch da
vor allem steht blinkend ein kicherndes wesen
und kratzt an dem lack der verkrüppelten autos

wo geht der schmerz hin, wenn die läden sich schließen?
wohin die angst? was will der kellner mir sagen
beim stellen der rechnung? daß ich gehen soll?

für mich steht das kind vor der starren fassade
für mich sind die anderen nichts und doch da
ich hab keinen kummer, steh kichernd am rande
und kratze am wesen verkrüppelter nächte

da macht der schmerz nichts, schließt nur die läden
dorthin die angst: da kann sie gern warten
beim stellen der rechnung: ich öffne die bar

Nicht kategorisiert19.04.2006 22:30h

Google: dreadlocks ausgefallen was tun

Jubilieren! Hut besorgen (evtl.)!

Logbuch19.04.2006 17:56h

…, Penner hätten keinen Stil: verbeugen muss man sich vor Menschen, die ihr Weizenbier direkt im Supermarkt in ein extra dafür mitgebrachtes Weizenglas gießen, um dann direkt an Ort und Stelle einen kräftigen Schluck daraus zu nehmen. Da weiß jemand, wie man lebt! (Jetzt mal abgesehen vom Weizen.)

Betrachtungen18.04.2006 12:37h

Durch die materielle Sicherheit seines Standes in die Lage versetzt, seine Introvertiertheit und Untätigkeit zu pflegen, findet Oblomow keinen Ausweg aus der erstickenden Ruhe, Trägheit und Schläfrigkeit, welche die Darstellung seines Lebens leitmotivisch durchziehen. Er verliert sich in den Traum eines geborgenen, sicheren, von aller Verantwortung freien Lebens auf dem väterlichen Gut Oblomowka, in dem der Mittagsschlaf Zentrum und Schwerpunkt der täglichen Verrichtungen ist. (…)

Der Name des Titelhelden „Oblomow“ wurde in die Psychiatrie eingeführt und soll die Persönlichkeitsstruktur eines willensschwachen Neurotikers beschreiben, der sich durch Apathie, Faulheit und Parasitismus auszeichne. Dieser Typus ließe andere für sich sorgen, während er sonst in intellektueller, gemütlicher und moralischer Hinsicht nicht versage. Seine Muße sei weder produktiv, noch vermöge er sie zu genießen.

(de.wikipedia.org/wiki/Oblomow)

Eine leichte Darmverstimmung ist etwas ernstes. Man muss sich, zumal wenn man ich ist, ernsthaft damit auseinandersetzen, sonst führt das ja zu nichts. Es führte also zu etwas, und zwar dazu, dass ich im Kopf und im Internet alle möglichen Krankheiten auf ihre Tauglichkeit für meinen Körper abklopfte, um schließlich zu dem Schluss zu kommen, dass es etwas ernstes sein muss. Und ja: mehrere Wochen am Stück relativ regelmäßig zu trinken, vermutlich der Übung wegen, um dann das ganze bei einem furiosen 12stundenbesäufnis ausklingen zu lassen, ist etwas ernstes und führt nun dazu, dass ich, aus Rücksicht meinem Darm gegenüber, mal eine Weile das Diktum eines Mannes beherzigen werde, dessen Name mir leider entfallen ist: „Ihr Trinker habt es gut. Ihr braucht nur aufhören zu trinken, und schon geht es euch besser.“

Ich glaube, es war ein Bekannter Harry Rowohlts, der das zu eben jenem sagte. Bis jetzt – also von Freitag bis jetzt – stimmt das aber schonmal überhaupt nicht. Gut, man kommt recht frisch aus dem Bett, aber dann fängt die Scheiße schon an: was soll man tun mit dem Tag? Was mit den nächsten? Was nützt die ganze Frische, wenn man sie nicht bei einem gemütlichen Feierabendbier dem nächstbesten an den Hals wünschen kann? Ich habe also beschlossen, den Müll herunterzubringen. Am Freitag bekomme ich eh hohen Besuch, da muss das hier mal sauber sein. Im Treppenhaus wird geredet, also geht das erst 10 Minuten später. 10 Minuten später: Leider sind alle Mülltonnen voll, also muss der Müll wieder hoch. Kein Problem, man soll ja für seine Haustiere sorgen!

Als nächstes beschließe ich, meine Zeit damit zu verbringen, aus dem Internet geladene Fernsehserien zu schauen und aus dem Internet geladene Musik zu hören: das neue Album von TV On The Radio etwa, das sehr gut ist, sehr gospel-, pop- und auch ein bißchen funk-mäßig, oder die grandiose 10″ von NinaMarie, „Scheiß. Taxi Scheiß. Paris“, die ich mir allerdings auch gekauft habe (10 Euro für 10 Minuten Musik und eine schöne Verpackung, aber na ja, Majorlabel halt, was will man machen!). Die neuen Folgen der Gilmore Girls und der Simpsons passen auch gut in meinen Tagesplan und sind herzallerliebst, auch wenn ich mich irgendwie viel zu sehr über die Charaktere ersterer Serie aufregen muss zur Zeit. Das muss doch alles nicht sein! Seid doch mal vernünftig!

Ich werde heute auch noch zur Universität gehen. Gehört ja irgendwie dazu. Und wenn ich fertig bin mit mir und meinem Darm und wieder unbeschwerter lachen kann, gehe ich nach Bochum ins Oblomow, wo die Tische kleben, der Wirt eine enge schwarze Lederhose trägt und tatsächlich manchmal Funny van Dannen läuft, und dann sitze ich da mit meinem nachgemachten Borsalino aus dem Internet und frage mich einmal mehr, wie ich es schaffen kann, dem Ganzen auch weiterhin etwas Gutes abzugewinnen. Und sollte es mir gelingen, am nächsten Morgen habe ich es eh vergessen.

Nicht kategorisiert08.04.2006 00:08h

die fensterläden sind neu gemacht
und das dach wurde gerad repariert
rasenmäher am nachmittag
abends spaziergang durch die nachbarschaft

das radio läuft im haus nebenan
vielleicht ein besuch aus der stadt
ein altes fahrrad lehnt hinten am haus
es reicht für den weg und zurück

ein schwalbennest auch in diesem jahr
und die straße wird neu geteert
der mann ein haus weiter mit benzin übergossen
am samstag brennend in den garten gerannt

(Fink, „Samstag“, vom Album „Loch in der Welt“, erschienen 1998 bei ixixes/indigo, t&m: Fink)

Logbuch07.04.2006 02:16h

…Wipers im Ohr nach Hause gefahren.

Betrachtungen05.04.2006 11:08h

Erste Vorlesungswoche: Mensa-Essen auf den Anzeigetafeln, das man ohnehin nicht essen wird, sich aber dennoch anschaut. Zwei engagierte junge Männer sprechen Gen. S und mich, die sie „die zwei Herren“ nennen, an.

Die: „Entschuldigung, wir sind von der Volksinitia…“
Ich: „Kein Interesse.“
Die: „Kein Interesse? Wir…“
S.: „Nichts, was mit Volk zu tun hat.“
Ich: „Das funktioniert sowieso nicht.“
Die: „Doch, das funktioniert. Wir…“
Ich: „Dafür sorgt schon der demokratische Rechtsstaat, dass das nicht funktioniert.“
Die: (erklären, dass es doch funktioniert: es gehe nämlich um 0,2% der Haushaltsmittel für die Kinder- und Jugendförderung. Dafür sammeln sie Unterschriften.)

S. (nach einigem Blabla): „Worum ging es nochmal?“
Die: „Um die Kinder- und Jugendförderung.“
S.: „Die interessiert mich eigentlich überhaupt nicht.“
Der eine: „…“
Der andere: „Is‘ auch ne Meinung.“
Beide: (gehen). Der Weg zur Mensa ist frei.

Dort angekommen, die beiden scheiße toleranten Brechmittel gerade verdaut, die als Essen getarnten Brechmittel vor uns ausgebreitet, kommt ein drittes hinzu: ein freundlicher Kommilitone legt uns Flyer mit dem Slogan „Du bist Party…“ auf den Tisch. Darunter: „Wir feiern Deutschland aus dem Konsumtief!“ Das steht da wirklich. Und auf der Rückseite, obacht: „Feiern für einen guten Zweck.“ Saufen für Deutschland? „Für einen guten Zweck“? Ja, spinnen die? Da muss man etwas gegen tun: schnell alle Flyer vom Tisch in die eigene Tasche gefegt. Ich feiere mich selbst: eine Tat, die den Kommunismus ein Stück näher bringt. Jetzt kann mir niemand mehr vorwerfen, ich sei Salonkommunist! Oder Sesselkommunist. Oder überhaupt kein Kommunist. Obwohl das natürlich scheißegal ist. Später schneide ich mich fast an dem Flyer, als ich in der Tasche nach etwas krame. Der Rache Deutschlands gerade noch entkommen! Ich feiere diesen Erfolg mit gutem deutschen Bier und beende den Tag an der Uni mit „Allegro Barbaro“ von Die Apokalyptischen Reiter im Ohr:

I dance every morning till the sun goes down
I laugh loud as long the world turns round
The end draws near: every evening, day by day
Come dance with me, it is too late

(Die Apokalyptischen Reiter, „Dance With Me“)

Nicht kategorisiert04.04.2006 20:15h

Forenlinks zum Thema – mit überraschendem Ergebnis.