Erste Vorlesungswoche: Mensa-Essen auf den Anzeigetafeln, das man ohnehin nicht essen wird, sich aber dennoch anschaut. Zwei engagierte junge Männer sprechen Gen. S und mich, die sie „die zwei Herren“ nennen, an.

Die: „Entschuldigung, wir sind von der Volksinitia…“
Ich: „Kein Interesse.“
Die: „Kein Interesse? Wir…“
S.: „Nichts, was mit Volk zu tun hat.“
Ich: „Das funktioniert sowieso nicht.“
Die: „Doch, das funktioniert. Wir…“
Ich: „Dafür sorgt schon der demokratische Rechtsstaat, dass das nicht funktioniert.“
Die: (erklären, dass es doch funktioniert: es gehe nämlich um 0,2% der Haushaltsmittel für die Kinder- und Jugendförderung. Dafür sammeln sie Unterschriften.)

S. (nach einigem Blabla): „Worum ging es nochmal?“
Die: „Um die Kinder- und Jugendförderung.“
S.: „Die interessiert mich eigentlich überhaupt nicht.“
Der eine: „…“
Der andere: „Is‘ auch ne Meinung.“
Beide: (gehen). Der Weg zur Mensa ist frei.

Dort angekommen, die beiden scheiße toleranten Brechmittel gerade verdaut, die als Essen getarnten Brechmittel vor uns ausgebreitet, kommt ein drittes hinzu: ein freundlicher Kommilitone legt uns Flyer mit dem Slogan „Du bist Party…“ auf den Tisch. Darunter: „Wir feiern Deutschland aus dem Konsumtief!“ Das steht da wirklich. Und auf der Rückseite, obacht: „Feiern für einen guten Zweck.“ Saufen für Deutschland? „Für einen guten Zweck“? Ja, spinnen die? Da muss man etwas gegen tun: schnell alle Flyer vom Tisch in die eigene Tasche gefegt. Ich feiere mich selbst: eine Tat, die den Kommunismus ein Stück näher bringt. Jetzt kann mir niemand mehr vorwerfen, ich sei Salonkommunist! Oder Sesselkommunist. Oder überhaupt kein Kommunist. Obwohl das natürlich scheißegal ist. Später schneide ich mich fast an dem Flyer, als ich in der Tasche nach etwas krame. Der Rache Deutschlands gerade noch entkommen! Ich feiere diesen Erfolg mit gutem deutschen Bier und beende den Tag an der Uni mit „Allegro Barbaro“ von Die Apokalyptischen Reiter im Ohr:

I dance every morning till the sun goes down
I laugh loud as long the world turns round
The end draws near: every evening, day by day
Come dance with me, it is too late

(Die Apokalyptischen Reiter, „Dance With Me“)