Die Invasion der Leichenräuber ist ein Gruselfilm über Wesen aus dem Weltraum, die in einer kalifornischen Stadt, Santa Rita, landen, und sie sind Blütenknospen, die nachts zu Menschen heranwachsen, und dann nehmen sie langsam den Platz der richtigen Menschen ein, und nur die jeweils von den Betroffenden geliebten Personen bemerken den Unterschied. Zum Beispiel weiß ein kleiner Junge zu Anfang, daß sein Onkel nicht sein Onkel ist, und er kann es nicht erklären, er weiß es nur. Der Onkel ist eine von den Knospen. Das Einzige, wofür sich die Knospen interessieren, ist Überleben, und sie sind kein Stück zärtlich; wenn auf der Straße ein Hund überfahren wird, dann ist ihnen das so wurscht wie nur möglich. Sie haben keine menschlichen Gefühle. Sie wollen sich nur fortpflanzen und die Welt erobern und uns nacheinander alle, wie wir da sind, ersetzen. Ein schöner Film.

(Dan McCall, „Jack der Bär“, suhrkamp 2001 (original: insel 1975), S. 61)

Ich bin auf Seite 144 von ungefähr 200 und kann schon jetzt nicht mehr, so schön ist das Buch. Man möchte die ganze Zeit weinen, wirklich. Und lachen allerdings auch. Ein 13jähriger Junge erzählt sein Leben in einer amerikanischen Vorstadt der 70er Jahre, und man stelle sich bitte die Fernsehserie „The Wonder Years“ vor, aber in echt. Also ohne den ganzen kitschigen Pomp, dafür mit Gefühlen, die ihren Namen auch verdienen. Vielleicht könnte man sich auch den Film „American Beauty“ vorstellen, aber mit nem kleinen Teenager als Erzähler und ohne den ganzen kitschigen Pomp, dafür mit… usw.

Die Welt ist ping und ich bin pong. Wenn ihr richtig pingt, dann ponge ich nach bestem Wissen und Gewissen zurück, ich werde eurem Ping sogar die Ehre erweisen, es anzuzweifeln. Nur kommt dann nicht an und sagt, das ganze Problem ist mein Pong.

(S. 136)

Warum ich so kurz vor Schluss aufgehört habe zu lesen? Na ja, die Sonne schien nicht mehr, Regentropfen kamen runter, und dann klingelte es an der Tür, und ich musste ein bisschen kleine Konversation betreiben. Kann ja auch mal passieren. Jetzt hab ich noch was für morgen abend.

„Jack the Bear“, übrigens wundervoll übersetzt von Harry Rowohlt (allerdings ein Kritikpunkt: war es damals wirklich nötig, das schöne Wort „motherfucker“ zu übersetzen?), wurde auch verfilmt und bekam auf Deutsch den unglaublichen Titel „Mein Vater – Mein Freund“ verpasst, worüber es sich kaum noch beschweren kann, denn zu kaufen gibt´s das gute Buch eh nur noch Second Hand, wenn amazon nicht lügt. Dafür aber halt spottbillig. Die Hauptrolle in dem Film spielt übrigens Danny De Vito, was Dan McCall, wie wir aus Harry Rowohlts Briefesammlung „Der Kampf geht weiter“ erfahren, gar nicht gefiel, er wollte lieber Robin Williams, und ich auch. Werd ich mir trotzdem mal angucken.