Das Aufmachen mit dem Brieföffner gestaltete sich noch ganz leicht; wenn´s doch Briefe wären, dachte er sich und schenkte dem Sonnenuntergang keine weitere Beachtung mehr. Bis hierhin und nicht weiter, hatte der Engel gesagt, bis hier hin war der Mann gegangen, und dann war da diese Schlucht gewesen, aus der so ein paar Arme ausgestreckt nach oben baumelten, ja, baumelten, man kann es ja nicht allen Recht machen! Schon gar nicht den Engeln. Er zuckte mit den Schultern und nahm einen tiefen Schluck, fand das dann aber doch zu albern und warf die Flasche in die Schlucht. Ein paar Hände schnappten danach, aber weil sie an Armen hingen, die baumelten, war das nicht so einfach, und so zerbarst das Glas irgendwo im undurchdringlichen Nebel da weiter unten. Plötzlich war der Mann sich nicht mehr sicher, was er hier sollte, hob den Blick und stellte fest, daß die Tränen in seinen Augen das Sonnenlicht ganz außergewöhnlich gut brachen. Auch er erbrach sich sogleich und wünschte sich die Flasche zurück. Das hier war kein Platz für ihn, also ruckzuck zurück in den Schoß, aus dem er vielleicht einmal gekrochen war. Der Schritt über die Klippe war ganz einfach; es empfing ihn aber nicht etwa Geborgenheit, Güte, das Nichts usw., sondern die Gewißheit, jetzt aber auch endgültig verloren zu haben. Mit einem äußerst scharfen Küchenmesser schnitt er ein paar Arme ab, zog sich am Seil aus der Schlucht hinauf und schüttelte sich den Staub vom Körper. Mich kriegt ihr nicht, dachte er. Mich nicht.