Empfehlungen19.05.2006 14:57h

Leesley: Wir machen Cunt-Core.
Thomas: Was?!
Leesley: Das ist meine Meinung. Cunt-Core. Ein Mädchen schreit, also Cunt-Core.

(soundmag.de)

Es kommt ja doch noch vor, dass auch Wahnsinnige wie ich gute Indie-Alben erst mal übersehen. So auch das 2005 erschienende „Fashionista Super Dance Troupe“ von der bezaubernden Band Help She Can‘t Swim aus Großbritannien:

Das kann echt alles, vor allem unkontrollierte Bewegungen in alle möglichen Richtungen provozieren. Im Ernst, wäre ich ein fröhlicher Mensch, ich würde die ganze Zeit dazu durch die Wohnung tanzen. Und hey, liebe Genossinnen & Genossen von genderterror, das Lied Bunty vs. Beano wär doch was für die Party, oder?

Empfehlungen12.05.2006 22:03h

Die Invasion der Leichenräuber ist ein Gruselfilm über Wesen aus dem Weltraum, die in einer kalifornischen Stadt, Santa Rita, landen, und sie sind Blütenknospen, die nachts zu Menschen heranwachsen, und dann nehmen sie langsam den Platz der richtigen Menschen ein, und nur die jeweils von den Betroffenden geliebten Personen bemerken den Unterschied. Zum Beispiel weiß ein kleiner Junge zu Anfang, daß sein Onkel nicht sein Onkel ist, und er kann es nicht erklären, er weiß es nur. Der Onkel ist eine von den Knospen. Das Einzige, wofür sich die Knospen interessieren, ist Überleben, und sie sind kein Stück zärtlich; wenn auf der Straße ein Hund überfahren wird, dann ist ihnen das so wurscht wie nur möglich. Sie haben keine menschlichen Gefühle. Sie wollen sich nur fortpflanzen und die Welt erobern und uns nacheinander alle, wie wir da sind, ersetzen. Ein schöner Film.

(Dan McCall, „Jack der Bär“, suhrkamp 2001 (original: insel 1975), S. 61)

Ich bin auf Seite 144 von ungefähr 200 und kann schon jetzt nicht mehr, so schön ist das Buch. Man möchte die ganze Zeit weinen, wirklich. Und lachen allerdings auch. Ein 13jähriger Junge erzählt sein Leben in einer amerikanischen Vorstadt der 70er Jahre, und man stelle sich bitte die Fernsehserie „The Wonder Years“ vor, aber in echt. Also ohne den ganzen kitschigen Pomp, dafür mit Gefühlen, die ihren Namen auch verdienen. Vielleicht könnte man sich auch den Film „American Beauty“ vorstellen, aber mit nem kleinen Teenager als Erzähler und ohne den ganzen kitschigen Pomp, dafür mit… usw.

Die Welt ist ping und ich bin pong. Wenn ihr richtig pingt, dann ponge ich nach bestem Wissen und Gewissen zurück, ich werde eurem Ping sogar die Ehre erweisen, es anzuzweifeln. Nur kommt dann nicht an und sagt, das ganze Problem ist mein Pong.

(S. 136)

Warum ich so kurz vor Schluss aufgehört habe zu lesen? Na ja, die Sonne schien nicht mehr, Regentropfen kamen runter, und dann klingelte es an der Tür, und ich musste ein bisschen kleine Konversation betreiben. Kann ja auch mal passieren. Jetzt hab ich noch was für morgen abend.

„Jack the Bear“, übrigens wundervoll übersetzt von Harry Rowohlt (allerdings ein Kritikpunkt: war es damals wirklich nötig, das schöne Wort „motherfucker“ zu übersetzen?), wurde auch verfilmt und bekam auf Deutsch den unglaublichen Titel „Mein Vater – Mein Freund“ verpasst, worüber es sich kaum noch beschweren kann, denn zu kaufen gibt´s das gute Buch eh nur noch Second Hand, wenn amazon nicht lügt. Dafür aber halt spottbillig. Die Hauptrolle in dem Film spielt übrigens Danny De Vito, was Dan McCall, wie wir aus Harry Rowohlts Briefesammlung „Der Kampf geht weiter“ erfahren, gar nicht gefiel, er wollte lieber Robin Williams, und ich auch. Werd ich mir trotzdem mal angucken.

Empfehlungen04.04.2006 17:10h

So ein schönes Album. So ein unglaublich schönes Album.

Homepage
Empfehlungen20.03.2006 20:38h

foto: iwouldetc.com

Das ist Lindsey Leigh Harbour, sie singt und spielt Geige bei der amerikanischen Band I Would Set Myself On Fire For You, deren Musik fast so schön wie ihr Name ist. Darüber hinaus verliebt man sich sowieso sofort in die Band, wenn man die Photo-Section auf ihrer Homepage anschaut – ich glaub, sympathischere Leute habe ich selten auf Fotos gesehen. Musikalisch bewegt man sich auf einem soliden Screamo-Fundament, schreibt dabei aber lange, atmosphärische Songs, in denen die Violine eine tragende Rolle einnimmt. Das macht ihre erste, unbetitelte LP von 2004 so besonders, und ich weiß gar nicht, warum ich jetzt erst angefangen habe, sie richtig abzufeiern.

Bald kommt auch eine neue 7″; einen der beiden Songs, die darauf sein werden, kann man sich in einer ungemasterten Version hier anhören.

Empfehlungen06.03.2006 21:04h

I´m free when I´m up with the stars in the sky.

Social Distortion „soaked in northern angst & misery“, so steht es auf der myspace-Seite der finnischen Punkrockband I Walk The Line. Stimmt. 2004 konnten sie mich schon mit ihrem Debüt „Badlands“ begeistern, nun erscheint dieser Tage ihr neues Album „Desolation Street“. Und die Platte hält, was Vorgänger und Titel versprechen: mit „Just Like The Rest“ startet man dreckig und unglaublich energiegeladen in 45 Minuten Verzweiflung, eine Verzweiflung allerdings, in der immer die Möglichkeit des Ausbrechens winkt. Etwas melodischer ist man geworden, die Orgel ist besser hörbar, und mit „When I´m Gone“ ist sogar ein richtig schöner Pop-Song auf der Platte. Versoffen und wütend bleibt man dabei immer, Hit folgt auf Hit, hier wurde alles richtig gemacht.


foto von hier.

Wer sich also eine finnische Mischung aus Social Distortion, The Clash, Manifesto Jukebox und den dreckigsten Seiten der Pogues vorstellen kann, möge bitte darüber nachdenken, ein I Walk The Line Konzert zu besuchen, denn die Band ist ab Freitag auf Tour in Deutschland und Österreich.

Empfehlungen20.02.2006 10:51h

when i was 7 years old, i was watching my tv, and all the cartoons seemed so colourful to me, and all the elves and all the gnomes they filled my head, and i had footprints for i went to bed. and now it seems to me that the colours all have faded on tv, everything was brighter when i was 7. now i am 25 years old, still watching tv, but all the elves and all the gnomes don´t recognize me, and nothing today is like it used to be, but i still have my own tv. and i know the kids today they are alright, to them the colours are still so bright. and everything was brighter when we were 7. and everything was brighter when i was 7.

Mein Lieblingslied hat einen sehr schönen Text. Ich weiß nicht, ob ich alles richtig rausgehört habe, bei „curtains“ und „gnomes“ bin ich mir nicht sicher, aber es ergibt Sinn aber das ist ja auch kein Wunder, denn „cartoons“ ist viel sinnvoller. Jedenfalls ist das mein Lieblingslied, schon seit einigen Wochen, und die Band, die es gemacht hat, heißt Javelins, kommt aus Schweden und macht wunderbar simplen punkigen Indie-Pop, der sofort ins Herz und da auch nicht mehr weg geht.

Mittlerweile besitze ich alles, was die bisher gemacht haben, und es ist alles sehr gut. Gibt´s angenehm billig, weil es selbstproduzierte CD-Rs und eine 7″ sind, die sie verkaufen. Auf deren Label befinden sich noch andere interessante Bands, allen voran die grandiosen Birds Of Galapagos, deren Album ich leider nicht mitbestellte und mir deswegen jetzt ins Knie beißen muss, da der Versand ja doch recht teuer ist.

Egal.

Hier gibt es ein Interview mit ihnen, von der Seite ist auch das Foto da oben. Aufmerksam geworden bin ich auf die Javelins durch den Sampler des tollen Twee Pop Love!, das ihnen auch einen eigenen Eintrag gewidmet hat.

Empfehlungen01.02.2006 12:54h

Wie das war, als der Tisch für dich gedeckt war. Und du bist nicht gekommen, weil wir uns nicht mal kennen. Und jedes mal ein neues Mal zuviel ist. Ob du dann irgendwo da rumstehst oder nicht mal das.

(„Zwei im Sinn“)

Das tut weh, das geht ganz tief, und das gibt dennoch Kraft. Schneller Autos Organisation, eine Gruppe aus Hamburg, hat 2003 mit „World“ ein Album gemacht, das man getrost zu den besten Punkplatten aller Zeiten zählen darf, weshalb ich auch hoffe, dass jeder der geschätzten 23 Leserinnen und Leser dieser Zeilen das Teil bereits kennt. Wenn nicht, wäre ein Kauf dringend angebracht – Melancholie, Verzweiflung, Wut, Subversion, all der ganze Kram halt, der Punk so ausmacht, ist da drauf, und noch ein bißchen mehr. Versteckt allerdings unter einem musikalischen Minimalismus, der so weit geht, dass man sich beim Hören gelegentlich fragt, ob da eigentlich mehr als nur ein Song drauf ist. Ist es, irgendwann kriegt man das mit und ist dem Album verfallen. Noch ein Zitat:

Alte Fragen zum Vergessen und neue Platten für die Zeit danach. Von irgendeinem, der den Vorsitz führt über die Jugend, die noch lachen kann. Oder wieder gutes Wetter, mit neuen Platten das ganze Land beschallen und beklebt. Das macht die Narben weg und alte Melodien, die man nicht tanzen kann. So sehr man sich bewegt.
Alte Platten von Auschwitz. Wie die Juden, die es nicht mehr gibt. Zum Vergessen viel zu sperrig. Ein letzter Gruß an die Kultur und Dr. Motte. Oder ein anderes von den Monstern, das den Vorsitz führt über eine Generation – deine Generation – meine Generation.

(„Klarschiff“)

Kulturpessimismus? Scheiß drauf. Die haben doch Recht. Und spielen live: übermorgen in Berlin/K9 und in drei Tagen in Potsdam/Black Fleck.


foto von turnitdown.de
Empfehlungen12.12.2005 18:35h

5 uhr morgens / das ist die freiheit / 5 uhr morgens / das ist die einsamkeit / stadt angesehen / öde diskotheken / straßenmädchen / billige fassaden / so viel schmutz / und gunter, gunter fand´s zum kotzen

Trend singen den Blues. Mit Hingabe. Sie empfehlen „Mehr Rockelemente“, wollen den „ganzen Standortvorteil“ und konstatieren: „Gott hat keine Flugzeuge“. Was auf dieser Platte, „Navigator“ heißt sie, passiert, ist Punk, wie er lebendiger und cooler nicht sein könnte, minimalistisch in den Arrangements, wütend im Ausdruck und sehr von den 80ern, namentlich von Gang Of Four, inspiriert. Man muß den Briten dafür danken, denn diese Platte ist groß. Erschienen ist sie auf Sounds Of Subterrania.

5 uhr morgens / die alte brücke / 5 uhr morgens / der platz, wo er oft mit ihr war / und da steht sie / schaut über´s geländer / rumgelaufen / nachgedacht, nachgedacht / ohne dich ist alles quatsch / gunter, das ist alles quatsch / dein happy end nimmt uns doch keiner ab / 5 uhr morgens / das ist unser ende / 5 uhr morgens / dein happy end nimmt uns doch keiner ab

(aus „5 uhr morgens“)

Empfehlungen18.11.2005 15:48h

Antony & The Johnsons – I Am A Bird Now

I am a Bird Now

Antony singt, leidet und hofft; darunter schweben Piano und verschiedene Saiteninstrumente. Traumhaft.

Katatonia – The Black Sessions

The Black Sessions

Sehr gute Zusammenstellung der besten Lieder der Band, die das Thema „schrammelige Moll-Akkorde“ wie niemand sonst zur Perfektion treibt.

Kind Of Like Spitting – Nothing Makes Sense Without It

Nothing Makes Sense Without It

Aber auch alle anderen Platten dieses jungen Mannes. Schmerzvolle Lieder jenseits des üblichen Emo-Kitsches, mit sympathischer DIY-Punkrock-Attitüde.

Japanische Kampfhörspiele – Deutschland von vorne

Deutschland Von Vorne

Es ist ungesund, nur traurige Musik zu hören.

Spartenliteratur, Empfehlungen22.10.2005 20:01h
antimatter - planetary confinement

komm benutz die kapuze
verlasse den hafen
einmal nach der sonne schielen
macht alles kaputt

ein haufen toter blätter
schweres licht der sonne
verkneif dir das rauchen
zünde sie an

und hör auf die vögel
die nach süden ziehen